Gefahr im Dunkeln: Nur 28 Prozent der Velo- und E-Bike-Fahrer sind optimal sichtbar
(Schweiz). Immer mehr Personen auf dem Velo oder E-Bike machen sich im Dunkeln sichtbar. Das zeigt eine aktuelle Erhebung der BFU. Trotzdem unterschätzen viele, dass Licht allein nicht immer genügt, um rechtzeitig gesehen zu werden. Seit 20 Jahren erinnern die BFU und die Polizei am Tag des Lichts am 5. November daran: Sichtbarkeit kann Leben retten.
Die BFU veröffentlicht neue Ergebnisse zur Sichtbarkeit von Velo- und E-Bike-Fahrenden.
- Neue BFU-Erhebung: 28 Prozent der Velo- und E-Bike-Fahrenden sind bei Dunkelheit optimal sichtbar. 2022 waren es erst 14 Prozent.
- Klassische Velos: Nur 21 Prozent der Fahrenden kombinieren Licht mit zusätzlichen Sichtbarkeitshilfen.
- Langsame E-Bikes: 36 Prozent sind optimal sichtbar.
- Schnelle E-Bikes: 56 Prozent nutzen Licht und zusätzliche Sichtbarkeitshilfen.
- Tag des Lichts: Donnerstag, 5. November 2026 – die 20. Durchführung.
- Kampagnenbotschaft: „Nur wer leuchtet, wird von Weitem gesehen.“
Die Entwicklung ist erfreulich: Zwischen 2022 und 2025 stieg der Anteil derjenigen, die bei Dämmerung und Dunkelheit mindestens eine Sichtbarkeitshilfe am Körper tragen und die Velolichter eingeschaltet haben, von 14 auf 28 %.
Damit hat sich der Anteil der Zweiradfahrenden, die sich optimal sichtbar machen, in drei Jahren verdoppelt. Zum Einsatz kommen dabei beispielsweise reflektierende Bänder, Leuchtwesten oder Helme mit reflektierenden Elementen.
Aufgeschlüsselt nach Zweiradtyp zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede: Optimal sichtbar sind 21 % der Personen auf Velos, 36 % auf langsamen E-Bikes und 56 % auf schnellen E-Bikes.
Trotz der positiven Entwicklung nutzt weiterhin nur eine Minderheit die Kombination aus Licht und zusätzlichen Sichtbarkeitshilfen. Vor allem auf dem klassischen Velo besteht weiterhin grosses Präventionspotenzial.
Wer zusätzlich zum Licht reflektierende Elemente und helle Kleidung trägt, verbessert die eigene Sichtbarkeit deutlich und senkt damit sein Unfallrisiko.
Warum Licht allein nicht immer genügt
Die Wahrnehmungsforschung zeigt: Sehen und gesehen werden sind nicht dasselbe.
Wer auf dem Velo oder E-Bike die Scheinwerfer eines anderen Fahrzeugs schon von Weitem wahrnimmt, wird deshalb nicht automatisch selbst frühzeitig gesehen.
In der Dämmerung und Dunkelheit sind insbesondere Kontraste zur Umgebung und Bewegung relevant. Reflektierende Materialien erzeugen einen deutlichen Kontrast zur dunklen Umgebung und helfen, früher wahrgenommen zu werden.
Besonders wirksam sind Sichtbarkeitshilfen an den Köperpartien, die sich beim Velo- und E-Bikefahren bewegen, also an Knöcheln oder auch am Helm: Bewegungen liefern dem Gehirn zusätzliche Hinweise darauf, dass es sich um eine Person handelt.
Sichtbar zu sein, bedeutet nicht primär, möglichst hell zu sein, sondern so früh wie möglich als Person erkannt zu werden.
Der 5. November 2026 ist der 20. Tag des Lichts
Seit 20 Jahren machen die BFU und die Polizei am Tag des Lichts gemeinsam auf die Bedeutung der Sichtbarkeit im Strassenverkehr aufmerksam.
Zum Jubiläum lancieren sie eine neue gemeinsame Sensibilisierungskampagne mit einer einleuchtenden Botschaft: Nur wer leuchtet, wird von Weitem gesehen.
Im Zentrum stehen Sternbilder, die Velos, Trottinetts oder Fussgängerinnen und Fussgänger darstellen.
Die Analogie dahinter: So wie Sterne erst durch ihr Leuchten sichtbar werden, müssen sich auch Verkehrsteilnehmende sichtbar machen, um rechtzeitig erkannt zu werden.
Die Botschaft ist nach 20 Jahren aktueller denn je. Denn auch wenn heute deutlich mehr Menschen mit Licht unterwegs sind, bleibt Sichtbarkeit ein entscheidender Sicherheitsfaktor im Strassenverkehr.
Quelle: Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU
Bildquelle: BFU
Sicher durch die Dunkelheit: Der Licht-Check für Velo, E-Bike und Fussgänger
Gerade im Herbst und Winter sind viele Menschen bereits auf dem Arbeits- oder Schulweg bei Dunkelheit unterwegs. Mit einigen einfachen Kontrollen lässt sich die eigene Sichtbarkeit verbessern. Entscheidend ist nicht nur, ob eine Lampe leuchtet, sondern auch, ob sie korrekt ausgerichtet ist und andere Verkehrsteilnehmende rechtzeitig reagieren können.
1. Der 30-Sekunden-Check vor jeder Velofahrt
Bei Dunkelheit, Dämmerung und schlechten Sichtverhältnissen müssen Velos vorne mit einem weissen und hinten mit einem roten Licht unterwegs sein. Die reguläre Beleuchtung muss ruhig leuchten und darf andere Verkehrsteilnehmende nicht blenden.
Vor der Abfahrt lohnt sich eine kurze Kontrolle:
- Vorderlicht: Leuchtet es weiss und ist es richtig ausgerichtet?
- Rücklicht: Funktioniert das rote Licht zuverlässig?
- Akku: Reicht die Ladung für den ganzen Heimweg?
- Reflektoren: Sind sie vorhanden, sauber und gut sichtbar?
- Befestigung: Sitzen die Lampen fest und verrutschen nicht während der Fahrt?
Praktischer Tipp: Wer wiederaufladbare Velolichter nutzt, sollte das Laden fest in die tägliche Routine einbauen. Eine geeignete Ersatzbeleuchtung kann bei einem unerwartet leeren Akku helfen.
Wie wichtig funktionierende Velolichter sind, zeigte eine Polizeikontrolle bei Velo- und E-Bike-Fahrenden in Winterthur. Dabei wurden fünf Personen wegen Fahrens ohne Licht gebüsst.
2. Von der Seite gesehen werden: Die häufig vergessene Perspektive
Vorder- und Rücklichter machen ein Velo vor allem aus zwei Richtungen sichtbar. An Kreuzungen, Einmündungen und Kreiseln können sich andere Fahrzeuge aber auch seitlich nähern.
Genau deshalb sind seitliche Reflektoren besonders wertvoll. Speichenreflektoren oder reflektierende Pneus helfen dabei, ein Velo auch von der Seite früher zu erkennen.
Praktischer Tipp: Betrachten Sie Ihr Velo einmal bei Dunkelheit aus verschiedenen Richtungen, beispielsweise mit Unterstützung einer zweiten Person. Prüfen Sie, ob Vorder- und Rücklicht sowie die seitlichen Reflektoren tatsächlich gut zu erkennen sind.
3. Auch Fussgänger können ihre Sichtbarkeit einfach verbessern
Wer zu Fuss unterwegs ist, kann durch Kleidung und kleine Hilfsmittel viel für die eigene Sicherheit tun. Helle Kleidung und reflektierende Materialien sind besonders bei Dunkelheit und schlechten Sichtverhältnissen sinnvoll.
Für Kinder eignen sich reflektierende Dreiecksgürtel oder Leuchtwesten. Auch Kinderwagen, Rollatoren und Gehhilfen können mit gut sichtbaren Reflektoren ausgestattet werden.
Praktischer Tipp: Kontrollieren Sie beim Schulrucksack, ob die Reflektoren auch dann sichtbar sind, wenn das Kind eine Jacke trägt oder zusätzlich eine Tasche mitnimmt. Kleine reflektierende Anhänger können die Ausstattung sinnvoll ergänzen.
Gut zu wissen: Bei E-Bikes gilt die Lichtpflicht auch am Tag
Seit dem 1. April 2022 müssen in der Schweiz alle E-Bikes auch tagsüber mit eingeschaltetem Licht unterwegs sein. Die Regel gilt sowohl für langsame als auch für schnelle E-Bikes.
Bei klassischen Velos besteht diese allgemeine Tagfahrlichtpflicht nicht. Bei Dunkelheit, Dämmerung und schlechten Sichtverhältnissen ist aber auch dort eine geeignete Beleuchtung vorgeschrieben.
Empfehlung: Schalten Sie das Velolicht nicht erst ein, wenn es vollständig dunkel ist. Auch bei Regen, Nebel und trübem Wetter verbessert eingeschaltetes Licht die Erkennbarkeit.
Neben der Sichtbarkeit verdienen auch Fahrbahnzustand und Fahrweise Aufmerksamkeit. Im Beitrag über 27’000 Velounfälle pro Jahr und die Gefahren durch Nässe, Laub und Dunkelheit werden wichtige Vorsichtsmassnahmen für die Herbstmonate erklärt.
Quelle Infobox: Polizei.news-Redaktion